Report - Zeitungsartikel
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Zeitungsartikel über Kendo und unser Dojo. Entnommen: "Leo Saison", Sonderausgabe der Rheinpfalz vom 13.09.2005, S. 20, von Gisela Huwig, dankenswerter Weise von der Redaktion freigegeben.
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| Eigentlich ist die Schulturnhalle in Otterberg bei Kaiserslautern eine wie viele andere auch. Sie ist nicht besonders schön und auch nicht neu. Doch Michael Weiler und Hans Ernst vom 1. Kendo Verein Kaiserslautern verbeugen sich an der Tür, bevor sie eintreten. Heute Abend wird das Sportfeld zum Dojo, zur Fechthalle. Dojos galten einst als heilige Orte, weil hier Kendo, der Schwertkampf der Samurai, gelehrt wurde. Der einst tief religiösen Bedeutung dieses Orts der harten Kampfübungen tragen die Schwertkämpfer noch heute durch diese Respektsbekundung Rechnung. Wie hart die Kämpfe sind, zeigen die beiden Kendoka mit Dan zwei Stunden später. In traditioneller Schutzrüstung stehen sie einander gegenüber und fixieren sich durch die Gitterstäbe des Helms, hoch konzentriert. Dann, unvermittelt, laufen sie mit schrillem Schrei, wie man es vielleicht aus Bruce-Lee-Filmen kennt, aufeinander zu. Die Bambusschwerter krachen auf Helm und Harnisch, dann ziehen sich beide zurück, den Gegner nicht aus den Augen lassend. Sobald einer eine Abwehrlücke beim Gegner erspäht hat, wiederholt sich die Szene.. Am Ende des Kampfes, den der Trainer nur knapp gewinnt, sind beide nass geschwitzt und außer Atem. Und der Zuschauer wundert sich nicht darüber, denn beide haben mit vollem Krafteinsatz gekämpft. Die Duelle machen für Michael Weiler einen Teil der Faszination an der Kampfkunst der Samurai aus, die seit gut vier Jahrzehnten auch in der Pfalz gelehrt wird. "Es werden echte Kämpfe ausgefochten, bei denen durch die Rüstung, aber auch durch die starke Reglementierung dennoch eine sehr geringe Verletzungsgefahr besteht", schwärmt er. Und doch sei Kendo viel mehr als das. Große Meister hätten ihr ganzes Leben dem Weg des Schwertes, so heißt Kendo übersetzt, geweiht, stets bestrebt um Perfektion. "Dieses Streben, der Weg, war einzig wichtig, das Ziel quasi, wie beim Zählen gegen unendlich, nie praktisch erreichbar" so Weiler. Dass Kendo weit über die reine Vermittlung der Schwert-Technik hinausreicht, vielmehr eine Lebensphilosophie ist, dass es die Persönlichkeit schult und äußerste Disziplin fordert, sollten Fans fernöstlicher Kultur spätestens seit dem Hollywood-Kassenknüller "Der letzte Samurai" mit Tom Cruise wissen. Michael Weiler hat allerdings festgestellt, dass gerade nach solchen Hollywood-Streifen jede Menge Lernwilliger in die Kendo-Gruppen strömen, von denen der weitaus größere Teil, das Hobby aber bald wieder aufgibt. "Leute die nur möglichst schnell möglichst effektiv kämpfen lernen wollen, sind bei uns falsch", unterstreicht der Kendo-Trainer. Und die strenge Etikette sei auch nicht jedermanns Sache. So verleiht denn auch nicht nur die eingangs beschriebene Begrüßungsformel der gewöhnlichen Schulturnhalle diese ungeahnte Würde. es ist die Kampkunst selbst, die das profane Umfeld veredelt, einem zutiefst Respekt abverlangt, wenn nicht sogar ein ganz kleines bisschen Ehrfurcht. Da ist diese Achtsamkeit, mit der die Kendokas auch außerhalb des Kampfes jede Bewegung ausführen, jeden Satz formulieren. Und da ist diese Ruhe, diese Ausgeglichenheit, die sie ausstrahlen. Das alles hat außerdem nichts Bedrohliches, wie vermuten könnte, wer weiß, dass die Samurai als unschlagbar galten und mit einem einzigen Hieb ihre Gegner niederzustrecken vermochten. Vielmehr hat das Training meditative Züge. Begonnen wird stets mit Iaido, der Kunst des Schwertziehens, an deren Anfang die Meditation mit dem Schwert steht. Danach werden in einer Reihe von Übungen (Katas) die Variationen der Schwertführung gegen imaginäre Gegner mit Holzschwertern wieder und wieder geübt, jeden Streich laut auf japanisch mitzählend. Da ist Geduld gefragt. Bis Neulinge an Wettkämpfen teilnehmen, die sechs Schüler- und Zehn Dangrade absolvieren, vergeht viel Zeit. Und das scharfe Metallschwert wird überhaupt nur bei einer Disziplin, dem Battodo, eingesetzt, bei dem Schnitte an einer Bambusrolle ausgeführt werden. Das Arbeiten a sich selbst und der Technik hört im Kendo nie auf. Die Persönlichkeit werde dabei quasi automatisch geschult. Denn eins, so Weiler, müsse dabei jedem vorher klar sein: "dem Übenden wird schnell deutlich, dass er es weniger mit dem Gegner, als mit sich selbst zu tun hat; sich selbst begegnen, ist das zentrale Thema aller japanischen Kampfkünste." |